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Fitness-Tracker sollten uns unsere Gesundheitsdaten geben

Fitness-Tracker wie Fitbit und andere ‘Wearables’ sind derzeit sehr beliebte Geräte. Justizminister Heiko Maas gestand diese Woche, dass er solche Fitnessgeräte und -apps selbst nutze, stellte aber zugleich die Frage: Sind die Daten eigentlich sicher gespeichert? Dies ist zwar eine wichtige Frage, jedoch nicht die richtige. Es wird Zeit, dass wir realisieren, dass es nicht nur darum geht, WIE unsere Gesundheitsdaten gespeichert werden, sondern vor allem WO (1.275 Wörter, Lesezeit 05:48).

Wenn ich aufwache, stelle ich mich zuerst einmal auf die Waage der Marke X. Sie misst mein Gewicht, meinen Fettanteil und meinen Puls. Sie sendet diese Daten via Internet zu den Server der Firma X. Während meines Frühstücks schaue ich mir die Daten auf meinem Smartphone an – dort, wo ich auch überprüfe, ob ich gut geschlafen habe und ob ich gestern ausreichend spazieren gegangen bin, denn meine intelligente Uhr bzw. Smartwatch ist ebenso vernetzt und vom gleichen Hersteller.

Markt für Wearables explodiert

Die Produktgruppe der gesundheitlichen Geräte und Apps, die üblicherweise – aber nicht immer – Bio-Daten aufzeichnen, heißt ‘Wearables’. Der Markt dafür explodiert derzeit! Einigen Voraussagen zufolge wird sich der weltweite Umsatz verzehnfachen: von 4.5 Milliarden Dollar im Jahr 2016 auf 53 Milliarden 2019.

Diese Geräte werden nicht nur immer beliebter, sondern auch raffinierter. “Wearables, die jetzt noch eher unterhaltsam sind, entwickeln sich ganz schnell auf einer klinischen Qualitätsebene”, erklärt Dr. Eric Schaft, Gründer vom Icahn Institute in Mount Sinai, gegenüber McKinsey.

So gut wie in Krankenhäusern

“Auf klinischer Qualitätsebene” – die Geräte sollen also so gut werden wie jene, die in Krankenhäusern genutzt werden. Diese Entwicklung wird vor allem durch die massiven Datenmengen ermöglicht, die generiert werden. Diese nutzen wiederum die Hersteller, um die eigenen Algorithmen zu verbessern und zu trainieren. Im Jahr 2015 wurden weltweit 25 Millionen Fitness-Tracker verkauft, 2014 verkaufte allein Fitbit satte 20 Millionen Stück.

Wenn du von einigen Geräte noch behaupten kannst, sie dienten eher der Unterhaltung (Erkennung von Schritten, Gewicht, Schlafmustern), setzen sich andere Projekte mit spezifischen Krankheiten und Therapien auseinander. Google arbeitet zusammen mit Dexcom, Novartis und Sanofi daran, Diabetes zu bekämpfen. So werden zum Beispiel auch intelligente Kontaktlinsen entwickelt, die deinen Glukosewert messen und die Daten an das Smartphone schicken können. Also keine Nadel mehr für Diabetespatienten? Das würde tatsächlich eine unglaubliche Steigerung der Lebensqualität bedeuten – und viel niedrigere Kosten. Kein Wunder, dass die Krankenkassen solche Technologien gern mitfinanzieren.

Intelligente Pillen

Die Diovan Bluthochdruckpille enthält einen Chip, der aufzeichnet, ob und wann die Pille geschluckt wurde. Dieser sendet die Daten direkt aus deinem Körpers an ein Gerät, das du trägst. Damit wird die Einnahmerate der Pillen optimiert. Ein weiteres Beispiel: BacTrack ist ein kleines Gerät, das du in dein Handy stecken kannst, um zu testen, ob deine Alkoholwerte das Autofahren noch erlauben.

Eine andere wichtige Entwicklung ist die Möglichkeit der Selbstdiagnose. Theranos möchte Bluttests mit einer neuen Technik revolutionieren, die nur einen Bluttropfen auf einem Finger-Stick braucht. 23andme bildet schon seit einigen Jahren mit Hilfe von Speichelproben die menschliche DNA ab. Clue, entwickelt von dem Berliner Start-up Biowink, ist eine App für Smartphones und -watches, mit der Frauen ihren monatlichen Zyklen überwachen und die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erkennen können.

Consumer Health World

Die Entwicklung dieser neuen Geräte und Apps bedeutet potenziell einen riesigen Fortschritt im Gesundheitswesen, da Messwerte genauer werden. Die Daten ermöglichen Forschern neue Einblicke und individuellere Therapien. Es hat aber auch noch eine andere Konsequenz: Die Beziehung zwischen Arzt und Patient verändert sich.

“Im Moment sehen wir Kunden, die die Verwaltung ihrer Daten in die eigene Hand nehmen. Wir sind in den frühen Tagen einer Consumer Health World, wo Benutzer sich selbst über Wearables analysieren, ihre Daten speichern und an ihre Ärzte und Dienstleister weiterleiten”, behauptet der Hamburger Arzt Johannes Jacubeit, der bereits elektronische Patientenakten für seine Patienten entwickelt.

Umzäunte Gärten

Damit diese Health World gut umgesetzt werden kann, muss sie noch eine ganz große Hürde nehmen: Die Firmen, die Wearables herstellen oder Gesundheitsdienstleistungen liefern, speichern die Daten ihrer Kunden auf den eigenen Server und machen es ihnen so sehr schwierig, den Anbieter zu wechseln. Das muss sich ändern.

Es ist ein klassisches Beispiel des ‚Eingesperrtseins‘: Nehmen wir mal an, ich möchte eine Smartwatch der Firma Y anstatt von meiner derzeitigen Firma X kaufen. Es würde bedeuten, dass ich Jahre an wertvollen Daten verlieren würde. Es ist vergleichbar mit der Art und Weise, wie Apple und Google versuchen, dich in deren iOS- oder Android-System einzumauern.

Der Unterschied zu medizinischen Daten ist, dass diese lebensrettend sein können und deswegen definitiv dein Eigentum sein sollten. Doch ausgerechnet die Portabilität dieser Daten ist im Moment sehr begrenzt. Fitbit hat eine Open API, die die Extraktion sowie den Austausch von Daten ermöglicht. Und seit Kurzem bietet Apples HealthKit so etwas wie eine Schnittstelle an, mit der Daten von anderen Lieferanten relativ einfach integriert werden können.

Dennoch: Apple ist ein privates Unternehmen, und du möchtest wahrscheinlich nicht von seinen Dienstleistungen abhängig sein, wenn es um deine höchst persönlichen medizinischen Daten geht. Im Moment speichere ich meine Laborergebnisse, Arztbefunde und Röntgenuntersuchungen noch in Google Drive, was keine ideale Lösung ist, weil auch Google ein Unternehmen ist. Doch es ist die beste Option, die ich derzeit sehe. Leider kann ich meine Daten auch noch nicht von meinen Wearables in Google Drive importieren.

Wir brauchen eine unabhängige Plattform

Was wir also wirklich brauchen, ist ein technischer Standard für die Speicherung medizinischer Daten – unabhängig davon, wer der Hersteller des Geräts oder Programms ist. In einer idealen Welt gäbe es auch noch eine App und Webseite, die firmenunabhängig sind und ein Dashboard deines Lebens abbilden. Die Daten werden dann auf den Server von zum Beispiel einer Stiftung gespeichert. Damit DU bestimmen kannst, was mit deinen medizinischen Daten passieren sollte und mit wem sie geteilt werden. Damit du komplett unabhängig von Unternehmen und Behörden bist.

Regierungsbehörden und Datenschutzaktivisten streiten schon seit Jahren über die Einführung einer elektronischen Patientenakte (EPA). Und Giovanni Buttarelli, EU-Kommissar für Datenschutz, veröffentlichte im Mai 2015 einen Report, in dem er verkündigte, dass Daten, die von Wearables generiert werden, persönlich und daher Eigentum des Kunden seien.

Klare Sache? Leider nein. Es gibt noch keine offizielle Verordnung – und in der Zwischenzeit kann die Geschäftswelt die Diskussion über Datenschutz und EPA links und rechts überholen. Der Sektor überschwemmt förmlich Kunden mit Hunderttausenden Apps (und Millionen Wearables). Sie finden ihren Weg zu den Kunden der ‚grassroots‘-Bewegung: Kunden, die vorwärts gehen und die Kontrolle über ihre Gesundheit übernehmen möchten.

“40 Prozent der Amerikaner messen schon einen Teil ihres Lebens, und die Akzeptanz steigt im Moment riesig an”, so Annette Zimmermann von Gartner Analysts.

Zeit für Initiative

Es sind genau diese Leute, die eine Garantie dafür brauchen, dass sie ihre Daten überallhin mitnehmen können. Bis jetzt blieben Bemühungen, einen einheitlichen Standard zu etablieren, ohne Erfolg. Einzig die gemeinnützige Continua Alliance hat einiges bewegt, doch leider hatte das keine Wirkung auf die Hersteller von Wearables.

Es wird Zeit, dass diese Firmen und/oder Vertreter von Verbraucherinteressen die Initiative übernehmen und sich einer wirklich offenen, unabhängigen Plattform verpflichten – damit auch wir als Kunden davon profitieren und unser eigenes Health-Dashboard bekommen. Gibt es Leute, die Bock drauf haben, eine solche Health World zu realisieren?


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Bas
Bas Timmers
Geschäftsführer und Gründer
Neue Signale GmbH
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